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Erlangen und die soziale Frage des 21. Jahrhunderts

Gespräch in der Innenstadt

Erlangen und die soziale Frage des 21. Jahrhunderts

Wohnungsnot ist die „soziale Frage“ der heutigen Zeit und beschäftigt viele Erlanger BürgerInnen. Auch Adriana Djakow und Alexander Oswald können davon ein Lied singen und das obwohl beide in Vollzeit arbeiten. Seit mehr denn zwei Jahren sind die beiden ein Paar und leben auch zusammen, doch suchen sie seit mittlerweile über einem ¾ Jahr nach einer bezahlbaren Eigentumswohnung - erfolglos. Ein Anliegen, dass sie gerne mit dem Oberbürgermeister besprechen möchten. 

Für beide steht fest: Erlangen wollen sie nicht verlassen. Herr Oswald ist gebürtiger Erlanger und nach seinem Studium wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um als Ingenieur bei Siemens zu arbeiten. Frau Djakow lebt seit mittlerweile 8 Jahren in Deutschland und hat Erlangen und seine Möglichkeiten zu schätzen gelernt. „Trotz unseres Einkommens ist der Erlanger Wohnungsmarkt nicht bezahlbar für uns“, berichtet Adriana Djakow, welche geschockt von den Wohnpreisen ist. „Am Ende müssten wir uns noch anderweitig umschauen. In Fürth zum Beispiel“, zieht sie ihr Fazit. Florian Janik kann nachvollziehen, was für eine Herausforderung die Wohnungssuche ist. Seine Familie hat damals in ähnlicher Situation fast 2 Jahre nach einer passenden Bleibe gesucht, berichtet er beiden und dennoch: Es gibt Optionen in Erlangen. 

„Haben Sie schon von dem Baugruppen-Modell gehört?“, erkundigt sich Herr Janik und verweist hierbei auf das Potential im Baugebiet 412. Mehrere Einzelpersonen schließen sich zusammen und bauen in Eigeninitiative unter Unterstützung der Stadt ein Mehrfamilienhaus. Schon im Büchenbacher Baugebiet 411 habe man hierbei gute Erfahrungen machen können, berichtet der OB. Eben durch die kommunale Subventionierung ist es für ErlangerInnen möglich in ihrer Stadt zu bauen, eine echte Chance für all diejenigen, die diese Stadt schätzen. Das nächste Come Together für Interessierte findet am 16. Juli in der Gebbertstraße statt, so Florian Janik weiter. Klar, man müsse sich mit den anderen BauherrInnen arrangieren und auch kompromissbereit sein, doch am Ende lohnt es sich, macht er den beiden Mut. 

„Stehen keine weiteren Baugebiete mehr zur Verfügung?“, erkundigt sich Herr Oswald. Janik verwies den Bürgerentscheid, der sich mit der weiteren Planung zu einem Baugiebet im Stadtwesten beschäftigte, doch hier haben sich die BürgerInnen dagegen entschieden. „Ich habe die Sorge, dass wir langfristig nicht mehr eine Stadt für Alle sein werden“, so Florian Janik. „Hat die Stadt nicht noch weitere Möglichkeiten? Was macht Sie denn sonst noch für die BürgerInnen?“, frägt Frau Djakow. Hier verweist der Oberbürgermeister auf die GeWoBau, die den sozialen Wohnungsbau fördert. Unter seinem Vorgänger habe die Stadt nur 60 sozialgeförderte Wohnungen gebaut, weiß er zu berichten. Ein Problem, welches man seit 2014 versuchte Herr zu werden und erst 2017 Erfolge erzielen konnte, als mehr kommunal geförderte Wohnungen gebaut wurden, denn aus der Bindung geflogen sind. Geförderter Wohnungsbau wäre die zweite Option, die er beiden empfehlen könne, so Florian Janik. „Diese Wohnungen sind qualitativ hochwertig“, versucht er den Vorurteilen entgegenzutreten. Zudem brauche man als Stadt eine starke Gemeinschaft, die man eben nur durch eine heterogene Gruppe an BewohnerInnen ermöglicht. Dies schafft man nur, wenn eine Nachbarschaft aus den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft besteht. 
Wie man zukünftig mehr gegen den Wohnungsnotstand unternehmen könne? „Es würde uns helfen, wenn wir als Stadt mehr Möglichkeiten hätten, um sozialen Wohnungsbau zu betreiben“, erläutert Herr Janik. 

Gegen Ende hat das Paar noch ein weiteres Anliegen, die sie ansprechen wollen. Herr Oswald stellt sich die Frage, wie es denn um die Energiesparte bei Siemens stehe. Ein höchst spannendes Thema, bestätigt Florian Janik und ergänzt, dass aktuell wirklich alles offen sei, zumindest seitens des Konzerns. Die Stadt ist bereits im Gespräch mit Siemens und auch er werde im kommenden Monat einen Termin mit Siemens-Chef Joe Kaeser haben. „Wir bleiben am Ball und hoffen selbstverständlich, dass das Ergebnis möglichst positiv für Erlangen ausfällt“, meint Florian Janik optimistisch.

13. Juni 2019

 

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„Haben Sie schon von dem Baugruppen-Modell gehört?“, erkundigt sich Herr Janik und verweist hierbei auf das Potential im Baugebiet 412.