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Wie wird Erlangen familienfreundlicher? 

Erlanger Osten

Wie wird Erlangen familienfreundlicher?  

Als Florian Janik das Wohnzimmer von Familie Dietz betritt, ist das Thema, was hier besprochen werden soll, offensichtlich. Die drei knapp einjährigen Kinder, die hier zusammen mit ihren Müttern versammelt sind, machen schnell klar: Heute geht es darum, wie familienfreundlich Erlangen wirklich ist. Konkreter: Wie finden Familien zuverlässig und möglichst unkompliziert einen Betreuungsplatz für ihre Kinder?

Monika Dietz schildert ihre Probleme sehr anschaulich. Bereits bei der Suche nach einer Hebamme musste sie zahlreiche Telefonate führen, um für die Nachsorge eine kompetente Hebamme zu finden. Ihre Freundin hatte weniger Glück. Im August war niemand zu bekommen. Ein Umstand, der so eigentlich nicht vorkommen sollte.

An dieser Stelle kann Florian Janik aber direkt eine Verbesserungen vermelden. In Zukunft kümmert sich die neu geschaffene Hebammenzentrale um eine zentrale Vermittlung von Hebammenleistung. Und durch eine Entlastung der Hebammen von Abrechnungen und anderen Verwaltungsaufgaben bleibt diesen mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe: Die Betreuung von Frauen und deren Familien vor, während und nach einer Geburt.

Für Familie Dietz und die befreundeten Familien stand aber tatsächlich unmittelbar nach der Entbindung das nächste Problem vor der Tür. Bereits vor der Geburt des Kindes bemühten sich die Frauen um einen Betreuungsplatz – Fehlanzeige. Schwierig zudem: Eine zentrale Platzvergabe gibt es nicht, jede Einrichtung hat unterschiedliche Aufnahmeformulare und Verfahren. Eine aufwändige und zeitraubende Odyssee! Wer nicht für die Uni oder Siemens arbeitet und die entsprechenden Kontingente der Arbeitgeber nutzen kann, hat geringe Chancen, einen der begehrten Plätze zu ergattern. Und das in einer Zeit, in der die neue Familiensituation und ein frisch geborener Säugling die ganze Aufmerksamkeit erfordern. Die endlich gefundenen Lösungen entsprechen nicht ganz den ursprünglichen Wünschen der Eltern: Tagesmutter statt Krippe oder ein Betreuungsplatz weitab vom Sprengel, der längere Wege erfordert.

Florian Janik erläutert zur Erklärung die Herausforderungen, vor denen die Stadt an dieser Stelle steht: Ein nicht zu prognostizierender Anstieg vor allem junger Familien in Erlangen seit 2013 führte dazu, dass trotz eines sehr guten Angebots die Plätze in den Krippen knapp wurden. Aber durch Anstrengungen der Stadt - auch durch Unterstützung der freien Träger - soll hier schnell Abhilfe geschaffen werden. Die Angst der Familien, dass Ihnen eine ähnliche Tortur bevorsteht, wenn sie nun eine Kindergartenplatz suchen, entkräftete der OB: „Ich bin mir sicher, dass Sie in zwei Jahren einen Kindergartenplatz haben werden. Dann wollen wir wieder den Versorgungsgrad von 105 % erreicht haben, den wir bereits einmal hatten. Und in den Krippen wollen wir für 50 % der Kinder unter 3 eine Platz zur Verfügung stellen.“

Dass eine zentrale Platzvergabe (wie z. B. in Nürnberg) in Erlangen noch nicht möglich ist, liegt vor allem daran, dass dazu die freien Träger mit ins Boot geholt werden müssen. Hier sollen finanzielle Anreize geschaffen werden, um Einrichtungen dazu zu bewegen, bei diesem Vergabesystem mitzumachen. Zudem unternimmt die Stadt große Anstrengungen, den Erzieher*innenberuf attraktiver zu machen. Denn eines ist klar: „Die tollste KiTa nützt uns nichts ohne das dafür nötige, gut qualifizierte Personal.“ Die Stadt Erlangen stellt daher Erzieher*innen von Anfang an ohne Befristung ein, das Personal wird so weit wie möglich bei Verwaltungsaufgaben entlastet, um mehr Zeit für die Arbeit am Kind zu haben und umfassende Beratungs- und Fortbildungsangebote bieten Chancen zur Weiterqualifizierung.

Und einen weiteren Ausblick kann der Oberbürgermeister geben: „In der Grundschule werden Sie durch ein tolles Konzept von Ganztagsschulen keine Betreuungsprobleme haben. Denn durch das Programm „Zukunft Grundschulen und Ganztagsbetreuung“ machen wir uns bereits heute auf den Weg, damit wir nicht wieder überraschend vor Engpässen stehen, wenn im Jahr 2025 der Anspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter kommt.“

Zum Abschluss vereinbaren die Familien: „In zwei Jahren schreiben wir Ihnen eine Mail und melden, wie unsere Erfahrungen bei der Kindergartensuche ausgegangen sind.“ Darauf freut sich Florian Janik schon, denn er ist sicher: „Erlangen wird weiterhin alle Anstrengungen unternehmen um Erlangen noch familienfreundlicher zu machen. Unser Ziel ist „Eine Stadt für Alle“. Daran arbeite ich persönlich mit aller Kraft.“

11. September 2019

 

Erlanger Osten

 

Kinder, Familien, Kita 

 

 

Gespräch

 

 

„In der Grundschule werden Sie durch ein tolles Konzept von Ganztagsschulen keine Betreuungsprobleme haben. Denn durch das Programm „Zukunft Grundschulen und Ganztagsbetreuung“ machen wir uns bereits heute auf den Weg, damit wir nicht wieder überraschend vor Engpässen stehen, wenn im Jahr 2025 der Anspruch auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter kommt.“