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Nachmittags- und Ferienbetreuung in Erlangen 

Stadtteil Bruck, Erlangen

Nachmittags- und Ferienbetreuung in Erlangen  

Die Nachmittag- und Ferienbetreuung in Erlangen ist ein Problem. Das haben Anne Diller und ihr Mann herausgefunden, als sie sich mit Freunden unterhalten haben deren Kinder frisch eingeschult wurden. Als sie sich daraufhin mit dem Thema beschäftigten stellten sie schnell fest, "dass die Nachmittagsbetreuung in Bruck nicht so richtig toll passt", und die Betreuungszeiten für Familie Diller viel zu kurz sind. Da kam das Plakat - auf dem für ein Treffen mit dem Oberbürgermeister Florian Janik geworben wurde - gerade richtig. Kurzerhand wurden sechs weitere Eltern zusammengetrommelt und an einem Freitagabend ein Gespräch in den eigenen vier Wänden angesetzt.

Vielfältige Probleme mit der Betreuung Ihrer Kinder hatten die Mütter und Väter mitgebracht. Da kann eine Familie bei der Vergabe von Hortplätzen nicht berücksichtigt werden, weil die Mutter noch zuhause ist. Die Nachmittagsbetreuung der Schule ist nur bis 14:30 möglich. Eine Stelle im Einzelhandel zu bekommen, ohne eine Betreuung der Kinder gewährleisten zu können ist allerdings kaum möglich. "Ein klassische Henne-Ei-Problem", resümiert die Mutter. "Das Problem wird noch größer werden, wenn die beiden anderen Kinder in die Schule kommen".

Eine andere Mutter berichtet das Sie die Zusage für einen Hortplatz erst erhalten hat, nachdem Sie schon für die Ganztagsschule gewählt hat. Wäre diese Entscheidung früher gefallen, hätte Sie sich möglicherweise anders entschieden.

Leider sind die Rahmenbedingungen in Bayern nicht sehr gut. Es gibt keinen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung, alle Angebote sind rein freiwillig. "Das ist bitter und ich bedauere das sehr", so Florian Janik. Als erstes wurde der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, anschließend dann der für Krippenplätze eingeführt. Die logische Konsequenz den Rechtsanspruch fortzuführen ist dann aber nicht eingetroffen. "Es ist den Eltern schwer vermittelbar, dass sie mit kleinen Kindern arbeiten gehen können, wenn diese dann aber in die Schule kommen nicht mehr", sagt der Oberbürgermeister. Er spricht sich daher für die Einführung eines Rechtsanspruchs aus. Dieser ist bereits in Planung, wann es so weit sein wird ist aber noch nicht klar.

In Erlangen ist das Angebot dennoch wirklich gut ausgebaut, aber eben nicht für alle Eltern perfekt. Es sollte so gut sein, dass man wieder arbeiten gehen kann und auch die Ferienzeiten weitestgehend abgedeckt sind.

Eine Nachmittagsbetreuung ist nur eine Notlösung, da das Personal keine pädagogische Ausbildung absolviert haben muss. Besser ist daher die Einrichtung eines Horts, der aber sehr teuer ist. Schneller geht es mit der Einführung von Ganztagesklassen. "Jede Ganztagesklasse die sich bildet wird durch die Stadt garantiert genehmigt und finanziert", verspricht Florian Janik. Ganztagsklassen werden weiter ausgebaut, die Nutzung der Klassenzimmer in den Ferien ist auch kein Problem.

Leider – so berichtet eine Mutter – ist auch eine Ganztagesklasse nicht in allen Fällen ausreichend. So gibt es Berufe in denen eine Kernarbeitszeit die Unterrichtszeit überschreitet bzw. diese nicht zusammenpassen. Für diesen Fall müsste es individuelle Möglichkeiten der Anpassung geben.

Einige Mütter haben erfahren, dass Kinder in Kindergeräten nur deshalb angemeldet werden, weil dann später ein Hortplatz in Anspruch genommen werden kann. Vorhandene Kapazitäten werden zum Teil auch nicht voll genutzt, da ein Hort immer nur „voll“ gebucht werden kann  und nur dieser Ferienbetreuung anbietet und damit auch Eltern, welche u.U. auch mit einer Mittagsbetreuung oder einer kürzeren Betreuungszeit zurecht kämen - die Kapazität des Hortes komplett buchen  (u.a. sind Kapazitäten für eine Anschlussbetreuung der Ganztagsschule dadurch z.B. nicht vorhanden).

Daher bitten die Eltern den Oberbürgermeister die Vergabekriterien für Hortplätze noch einmal zu überdenken. Diese sind entstanden, weil eine Rechtssicherheit benötigt wurde. Zuvor hatte es einige Klagen gegen die Stadt gegeben, woraufhin klare Regeln aufgestellt wurden. 

Für Florian Janik ist eine "qualitätsvolle Ganztagsbetreuung für Schulkinder das Ziel". Dabei wurden vor 10 Jahren Krippen politisch noch bekämpft, weil Mütter die Betreuung übernehmen und nicht arbeiten gehen sollten. Auch heute ist das in vielen Ecken Bayerns durchaus noch üblich.

Es wird daher getan was unter den schlechten Rahmenbedingungen möglich ist, um eine möglichst gute Betreuung ermöglichen zu können. "Häufig funktioniert eine Nachmittagsbetreuung nur durch das Engagement der Eltern" klärt Florin Janik auf. "An diesem scheitert es aber auch sehr selten", häufiger leider an qualifiziertem Personal. 

Daher muss der Beruf des Erziehers dringend attraktiver gemacht werden, weil derzeit 100.000 Mitarbeiter*innen in Deutschland fehlen. Eine bessere Wertschätzung und Anerkennung des Berufes helfen dabei.

Ferienbetreuung gibt es in Erlangen unter anderem durch Siemens, die Universität und der Stadt, wobei in den letzten Jahren eigentlich immer noch Plätze frei waren. Diese - so bemängeln die Mütter - sind für Kinder aus den äußeren Ortsteilen nicht gut geeignet. Der weite Weg und die ungewohnte Umgebung überfordert viele - vor allem kleinere - Kinder. 

Dezentrale Angebote wurden in den letzten Jahren in Erlangen immer wieder versucht, sind aber meist mangels Anmeldungen nicht zustanden gekommen. Den Grund dafür vermutet der Oberbürgermeister darin, dass viele Eltern sich in den Ferien anders organisieren können und wollen. Kurzfristige Ab- oder Zusagen machen eine gute Planung aber sehr schwierig. "Hier braucht es klare Spielregeln".

Ein Vorzeigebeispiel für gute Betreuung findet man in Tennenlohe. Der Ortsteil am Südöstlichen Rand der Stadt ist einer von vier Modellstandorten in Bayern. Durch eine sehr engagierte Direktorin einer Tenneloher Schule und die Unterstützung des Freistaates konnte hier ein umfassendes Programm mit Ferienbetreuung, offener Ganztagsschule und Anchlussbetreuung ermöglicht werden.

Die Eltern um Christina Behle wollen nun eigene Möglichkeiten prüfen. Erste Gespräche mit der Direktorin einer Brucker Schule haben bereits stattgefunden, auch mit dem Schulverwaltungsamt hat man sich bereits in Verbindung gesetzt. Als nächstes sollen Gespräche mit einem Träger geführt werden um (vorerst) ein Angebot in den "kleinen" Ferien zu ermöglichen. "Wenn Sie Unterstützung brauchen sprechen Sie mich noch einmal an", sichert Florian Janik seine Hilfe zu.

11. Oktober 2019

 

Bruck

 

Kinderbetreuung 

 

 

Gespräch

 

 

Für Florian Janik ist eine "qualitätsvolle Ganztagsbetreuung für Schulkinder das Ziel".