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Kinderbetreuung in Erlangen 

St. Matthäus, Erlangen

Kinderbetreuung in Erlangen  

"In Bayern Spitze, aber dennoch Probleme“ – so stellte Florian Janik die Kita-Situation in Erlangen dar. Der Bevölkerungszuwachs seit 2014 sorgt dafür, „dass die Attraktivität Erlangens und die Geburtensteigerung zwar sehr erfreulich sind, aber: es knirscht im Kita-Bereich“. Ganz besonders gilt das für das Betreuungsgebiet Rathenau und daher gingen die Mütter des Elternbeirats evangelisches Kinderhaus St. Matthäus wohl vorbereitet in ihren Janik-Termin, um ihre Sorgen vorzutragen und nach Lösungsmöglichkeiten zu fragen und zu suchen.

Für ganz Erlangen gibt derzeit nur vereinzelt freie Plätze in Krippen oder Horten, die Situation in den Kindergärten ist besser. Bis 2022 soll die Situation wieder entspannt bis sehr gut sein, für U3-Kinder werden dann wieder 55% und für U6-Kinder wieder 100% Plätze bereitstehen. Um bis dahin eine bestmögliche Versorgung sicherzustellen, hat der Stadtrat auch beschlossen in Bruck kurzfristig eine „Interims-Kita“ mit 100 Plätzen ohne Sprengelbindung zu errichten und bis zum erwarteten Anspruch auf Ganztagsbetreuung – voraussichtlich ab 2025 – den Bau und Einrichtung weiterer Betreuungsplätze zu beschleunigen. Auch im Betreuungsgebiet Rathenau wird die Friedrich-Rückert-Schule erweitert und in der Hans-Geiger-Straße sind im Dawonia-Bereich 50 weitere Plätze in Planung und 32 sollen bis Herbst 2021 fertig gestellt sein. In diesem Jahr allerdings mussten 60 BewerberInnen abgewiesen werden.

Zudem gibt es große Probleme im Hortbereich, wo selbst „jüngere Erstklässler“ und erst recht „ältere Erstklässler“ nicht mit einer Aufnahme im Hort rechnen können und daher von drei Kindern weite Fahrten in entferntere Betreuungsmöglichkeiten in Kauf genommen werden müssen, die von den Familien selbst zu finanzieren sind. Rathenau ist zur Zeit der am schlechtesten versorgte Sprengel, wobei die Parallelstrukturen Hort, Mittagsbetreuung und offene bzw. gebundene Ganztagsschule (durch die VHS nachmittags sehr kompetent versorgt) verschiedene Möglichkeiten offen lassen; sie alle sind  allerdings freiwillige Leistungen der Kommune und müssen (bis auf anteilige Unterstützung in den Ganztagsschulen) von Erlangen bezahlt werden. „Ich will mich damit nicht rausreden“, so der OBM, der auf den Stadtratsbeschluss hinwies, dass die Friedrich-Rückert-Schule bis ca. 2024 einen Anbau für Schul- und Aufenthaltszimmer, Mittagsbetreuung und Mensa erhalten soll. In einer Sprengelkonferenz im Frühjahr wurde neben der laufenden Schulsanierung ein weiterer Ausbau von fünf Grundschulen zur Ganztagsbetreuung beschlossen – als erste ist die Rückertschule dran.

Kritik gab es an „mangelnder Transparenz“ der Vergabe von Hortplätzen und den neuen Vergaberichtlinien, die Bonuspunkte für allein erziehende Elternteile bzw. Berufstätigkeit nicht mehr vorsehen. Gerade diese Punkte sind aber nicht „gerichtsfest“ (wer ist wirklich allein erziehend? Wo beginnt „Berufstätigkeit“) und werden zu Gunsten der Kinder ausgelegt: „Die Kinder haben den Anspruch auf Förderung, weniger die Eltern“, so Florian Janik. Dass sich die Hortvergabe an der Sprengelzugehörigkeit und dem Alter orientiert, wurde ebenso kritisiert wie das Fehlen einer zentralen Platzvergabe, die es durch elektronischen Abgleich ja auch erleichtere, Mehrfachbewerbungen auszusortieren und das Verfahren zu vereinfachen. Auch hierfür sagte Florian Janik eine Prüfung zu.

Über allen Bauplänen schwebt allerdings das Damoklesschwert des fehlenden Personals: „Auch hier müssen wir den Mangel verwalten, obwohl wir schon selbständig und auf eigene Kosten neue Wege gehen“, sagte der OBM im Hinblick auf den sehr langsamen Wechsel der Staatsregierung in der Frage öffentlicher Betreuung unserer Kinder und dessen generell langsame Reaktion in diesem Bereich. Auch wenn der Verdienst in der Kinderbetreuung inzwischen besser wurde, sind doch die fünf(!) Jahre Ausbildungszeit mit dem letzten „Ausbildungsjahr“, in dem die ErzieherInnen bereits als fertige Kräfte mit Ausbildungslöhnen abgespeist werden, nicht eben attraktivitätsfördernd. Mit „Optiprax“ hat Erlangen die Ausbildung von „SeiteneinsteigerInnen“ gefördert und so neues Personal gefunden – aber der Bedarf ist weiterhin groß.

Auch mögliche Lösungsansätze wurden diskutiert: Da der Hort bereits durch Geschwisterkinder belegt ist und selbst „jüngere Erstklässler“ damit keine Chance auf Aufnahme haben, wurde überlegt, im frisch sanierten und ausgebauten Ohm-Gymnasium vorübergehend – bis zum eigenen Bau – eine 2. Hortgruppe zu eröffnen. Dies müsste über Elternbeirat und Schulleitung der FRS angestoßen werden. Für Kinder, die weitere Fahrten zu einer Nachmittagsbetreuung zurücklegen müssen, wird von Seiten der Stadt Erlangen über eine Fahrgruppen-Unterstützung nachgedacht. Ein weiterer Lösungsansatz wurde auch in der zentralen Vergabe gesehen.

Die beteiligten Mütter und OBM Janik waren sich nach dem Gespräch einig: Der Austausch war für alle eine gute Möglichkeit, in Ruhe und wertschätzend Probleme und Lösungsansätze zu diskutieren. Als in der Sache erfahrener Vater sagte Florian Janik zu, die Lösungsansätze mit zu nehmen und weiter zu diskutieren. Und die Mütter der Matthäus-Gemeinde betonten, dass das Gespräch Klarheit in die vielen Gerüchte gebracht habe und die Hoffnung auf Besserung gewachsen sei – auch wenn sie und ihre Kinder vielleicht nur noch „am Rande von den positiven Entwicklungen erwischt“ würden.

21. September 2019

 

St. Matthäus

 

Kinderbetreuung 

 

 

Austauschgespräch

 

 

Mit „Optiprax“ hat Erlangen die Ausbildung von „SeiteneinsteigerInnen“ gefördert und so neues Personal gefunden – aber der Bedarf ist weiterhin groß."